Verantwortliche Elektrofachkraft (VEFK):
Aufgaben, Verantwortung und Organisation im Unternehmen
Wer trägt im Unternehmen die fachliche Verantwortung für die Elektrotechnik? Wer darf elektrotechnische Arbeiten durchführen, und wie werden Prüfungen, Qualifikationen und Abläufe organisiert?
Mit zunehmender Größe und Komplexität eines elektrotechnischen Bereichs gewinnt die verantwortliche Elektrofachkraft – kurz VEFK – an Bedeutung. Sie verbindet elektrotechnische Fachkompetenz mit organisatorischer Verantwortung und schafft die Voraussetzungen für einen sicheren Anlagenbetrieb, geeignete Qualifikationen und klare Zuständigkeiten.
Ob eine VEFK erforderlich ist, welche Aufgaben sie übernimmt und wann eine externe VEFK sinnvoll sein kann, hängt von der Organisation des jeweiligen Unternehmens ab.
Was ist eine verantwortliche Elektrofachkraft?
Eine verantwortliche Elektrofachkraft ist zunächst eine Elektrofachkraft. Aufgrund ihrer Ausbildung, Kenntnisse und Erfahrung ist sie in der Lage, die ihr übertragenen elektrotechnischen Arbeiten zu beurteilen und mögliche Gefahren zu erkennen.
Bei der VEFK kommt eine weitere Verantwortungsebene hinzu: Für einen festgelegten elektrotechnischen Bereich werden ihr zusätzliche fachliche und organisatorische Aufgaben übertragen. Sie trägt damit nicht nur Fachverantwortung für einzelne Arbeiten, sondern kann auch Unternehmerpflichten innerhalb ihres Verantwortungsbereichs wahrnehmen.
Genau darin liegt der Unterschied zur Elektrofachkraft, die zunächst für die fachgerechte Ausführung der ihr übertragenen Tätigkeiten verantwortlich ist.
Die Bezeichnung „VEFK“ allein schafft allerdings noch keine wirksame Funktion. Aufgaben, Verantwortungsbereich und Befugnisse müssen eindeutig geregelt sein. Hinzu kommen ausreichend Zeit, die notwendigen Informationen und passende organisatorische Rahmenbedingungen.
Eine Bestellurkunde im Ordner ist daher nur ein Teil einer funktionierenden Elektroorganisation.
Wann braucht ein Unternehmen eine VEFK?
Eine Person mit der ausdrücklichen Funktionsbezeichnung „VEFK“ ist nicht pauschal für jedes Unternehmen gesetzlich vorgeschrieben. Sehr wohl vorgeschrieben ist jedoch eine geeignete Organisation des Arbeitsschutzes und der damit verbundenen Verantwortlichkeiten.
Ob ein Unternehmen eine VEFK benötigt, lässt sich deshalb nicht allein anhand der Mitarbeiterzahl oder Branche beantworten. Zunächst muss geklärt sein, wie die fachliche Verantwortung für die Elektrotechnik organisiert ist.
Verfügt die Unternehmens- oder Bereichsleitung selbst nicht über die notwendige elektrotechnische Fachkompetenz, beschäftigt aber Elektrofachkräfte oder verantwortet einen elektrotechnischen Betrieb beziehungsweise Betriebsteil, muss diese Fachverantwortung nachvollziehbar geregelt werden. Die Bestellung einer VEFK ist dafür ein möglicher und häufig geeigneter Weg.
Mit mehreren Standorten, verschiedenen elektrischen Anlagen, eigenen Elektrofachkräften, elektrotechnisch unterwiesenen Personen oder regelmäßig eingesetzten Fremdfirmen nimmt der Abstimmungsbedarf zu.
Dann sollte klar sein, wer welche Entscheidungen treffen darf, welche Qualifikationen erforderlich sind, und was passiert, wenn sicherheitsrelevante Mängel festgestellt werden.
Welche Aufgaben hat eine VEFK?
Einen allgemeingültigen Aufgabenkatalog für jede VEFK gibt es nicht. Der tatsächliche Umfang richtet sich nach dem Unternehmen, seinen Anlagen und Tätigkeiten sowie nach dem schriftlich übertragenen Verantwortungsbereich.
Im Kern geht es darum, die Elektrotechnik so zu organisieren, dass Rollen, Qualifikationen und Prozesse zueinander passen.
Welche Voraussetzungen muss eine VEFK erfüllen?
Eine VEFK muss fachlich für genau den elektrotechnischen Bereich geeignet sein, für den sie Verantwortung übernehmen soll.
Für die verantwortliche fachliche Leitung eines elektrotechnischen Betriebs oder Betriebsteils wird grundsätzlich eine Qualifikation als Meister, staatlich geprüfter Techniker oder Ingenieur beziehungsweise ein vergleichbarer Hochschulabschluss herangezogen.
Der Berufsabschluss bildet jedoch nur einen Teil der notwendigen Eignung.
Hinzu kommen einschlägige Berufserfahrung, aktuelle Kenntnisse der relevanten Vorschriften und Normen sowie Kenntnisse der vorhandenen Anlagen und Arbeitsverfahren. Wer Verantwortung übernimmt, muss elektrische Gefährdungen beurteilen und daraus geeignete Maßnahmen ableiten können.
Auch organisatorische und kommunikative Fähigkeiten sind wichtig. Fachliche Anforderungen müssen gegenüber unterschiedlichen Beteiligten vermittelt werden. Bei sicherheitsrelevanten Themen muss außerdem klar sein, wie und gegenüber wem diese eskaliert werden.
Qualifikation, praktische Erfahrung und tatsächlicher Verantwortungsbereich müssen daher aufeinander abgestimmt sein.
Kann man VEFK ohne Meister sein?
Die häufige Frage „VEFK ohne Meister“ lässt sich nicht allein anhand einer Berufsbezeichnung beantworten.
Für die verantwortliche fachliche Leitung eines elektrotechnischen Betriebs oder Betriebsteils gelten entsprechende Anforderungen an die Qualifikation. Gleichzeitig muss die Eignung immer zum tatsächlichen elektrotechnischen Tätigkeitsgebiet passen.
Ein VEFK-Lehrgang oder eine Schulung allein reicht daher nicht aus, um eine Person zur verantwortlichen Elektrofachkraft zu machen. Erst das Zusammenspiel aus fachlicher Qualifikation, praktischer Erfahrung und wirksamer betrieblicher Beauftragung schafft die Grundlage für die Funktion.
Wie wird eine VEFK bestellt?
Soll eine VEFK Unternehmerpflichten eigenverantwortlich wahrnehmen, muss die Pflichtenübertragung schriftlich erfolgen.
Eine Formulierung wie „Hiermit bestellen wir Herrn/Frau X zur VEFK“ beschreibt noch nicht, wie die Verantwortung im Alltag tatsächlich funktionieren soll.
Aus der Bestellung sollte hervorgehen, für welchen Bereich die Person zuständig ist. Das können beispielsweise bestimmte Standorte, Abteilungen, Anlagen oder Tätigkeitsfelder sein.
Ebenso wichtig sind die damit verbundenen Befugnisse: Welche fachlichen Entscheidungen darf die VEFK treffen? Gegenüber welchen Personen bestehen Weisungsbefugnisse? Welche Informationen und Unterlagen müssen ihr zur Verfügung stehen? Und an wen werden Mängel oder nicht umgesetzte Maßnahmen gemeldet?
Auch Vertretungen sowie Schnittstellen zu Geschäftsführung, Führungskräften, Arbeitsschutz, Instandhaltung oder Fremdfirmen sollten geregelt sein.
Verantwortung funktioniert nur dort, wo auch tatsächliche Handlungsmöglichkeiten bestehen. Wer Pflichten überträgt, muss deshalb die dazu passenden Befugnisse und Ressourcen schaffen.
Wie haftet eine VEFK?
Mit der Bestellung einer verantwortlichen Elektrofachkraft geht nicht automatisch die gesamte Verantwortung der Unternehmensleitung auf eine einzelne Person über.
Die VEFK trägt Verantwortung innerhalb des Aufgaben- und Befugnisbereichs, der ihr wirksam übertragen wurde.
Bei der Unternehmensleitung verbleiben weiterhin wesentliche Pflichten. Sie muss eine geeignete Person auswählen, den Verantwortungsbereich sinnvoll festlegen und die notwendigen organisatorischen Voraussetzungen schaffen. Dazu gehören auch Ressourcen sowie funktionierende Informations-, Berichts- und Eskalationswege.
Meldet eine VEFK einen sicherheitsrelevanten Mangel, dessen Beseitigung außerhalb ihrer eigenen Entscheidungsmöglichkeiten liegt, muss die zuständige Führungsebene entsprechend reagieren können.
Umgekehrt trägt die VEFK für die Aufgaben Verantwortung, die ihr innerhalb ihres Bereichs wirksam übertragen wurden. Zusätzlich behält jede Elektrofachkraft ihre eigene Fachverantwortung für die ordnungsgemäße und sichere Durchführung der ihr übertragenen Arbeiten.
Die Frage nach der VEFK-Haftung lässt sich deshalb nur im jeweiligen Einzelfall beantworten. Maßgeblich ist unter anderem, welche Aufgaben übertragen wurden, welche Befugnisse bestanden und welche tatsächlichen Einflussmöglichkeiten vorhanden waren.
Wann ist eine externe VEFK sinnvoll?
Nicht jedes Unternehmen kann die elektrotechnische Fachverantwortung sinnvoll aus den eigenen Reihen besetzen.
Manchmal fehlt eine entsprechend qualifizierte Person. In anderen Fällen sind Elektrofachkräfte vorhanden, verfügen aber nicht über die notwendige Zeit oder organisatorische Stellung, um zusätzlich einen übergeordneten Verantwortungsbereich zu übernehmen.
In der Praxis zeigt sich außerdem, dass eine interne Besetzung nicht immer an der fachlichen Qualifikation scheitert. Häufig sind geeignete Elektrofachkräfte vorhanden, möchten die zusätzliche organisatorische Verantwortung einer VEFK jedoch nicht übernehmen oder können diese neben ihren bisherigen Aufgaben nicht sinnvoll abbilden.
In solchen Fällen kann eine externe VEFK eine geeignete Lösung sein, um die notwendige Fachverantwortung klar zuzuordnen, ohne interne Mitarbeitende mit einer Rolle zu betrauen, die sie nicht übernehmen können oder möchten.
Das gilt auch für Unternehmen mit mehreren Standorten oder für Situationen, in denen eine gewachsene Elektroorganisation zunächst analysiert und neu strukturiert werden soll. Eine externe Fachperson bringt zudem einen Blick von außen auf bestehende Prozesse und Verantwortlichkeiten mit.
Die externe Beauftragung funktioniert allerdings nur, wenn die VEFK tatsächlich in die Organisation eingebunden wird. Sie benötigt Zugang zu relevanten Anlagen und Unterlagen, feste Ansprechpartner und klar geregelte Informations- und Eskalationswege.
Eine externe Bestellung, die lediglich auf dem Papier existiert, löst organisatorische Defizite nicht.
Was kostet eine externe VEFK?
Für die Kosten einer externen VEFK gibt es keinen sinnvollen Pauschalaufwand.
Ein Unternehmen mit einem Standort, wenigen elektrotechnischen Schnittstellen und einer gut dokumentierten Organisation benötigt eine andere Betreuung als ein Betrieb mit mehreren Standorten, unterschiedlichen Anlagen und zahlreichen elektrotechnisch tätigen Personen.
Der Aufwand hängt beispielsweise von der vorhandenen Organisation, der Anlagenstruktur, der Anzahl der Standorte, erforderlichen Vor-Ort-Terminen und dem übertragenen Leistungsumfang ab.
Bei einem Vergleich verschiedener VEFK-Dienstleister lohnt sich deshalb der Blick über den reinen Stunden- oder Tagessatz hinaus. Wichtiger ist, welche Aufgaben tatsächlich übernommen werden und wie der Verantwortungsbereich abgegrenzt ist.
Eine Bestandsaufnahme (das Audit) der bestehenden Elektroorganisation schafft dafür eine fundierte Grundlage.
Interne oder externe VEFK?
Beide Modelle können funktionieren.
Eine interne VEFK kennt Anlagen, Abläufe und Ansprechpartner des eigenen Unternehmens häufig sehr genau. Dafür muss jedoch eine fachlich geeignete Person vorhanden sein, die ausreichend Zeit und die notwendigen Befugnisse für diese Aufgabe erhält.
Eine externe VEFK bietet sich an, wenn diese Voraussetzungen intern nicht erfüllt werden können oder gezielt zusätzliche externe Fachkompetenz eingebunden werden soll.
Auch Kombinationen sind denkbar, etwa bei größeren Unternehmen mit mehreren Standorten oder unterschiedlichen Fachbereichen.
Für die Qualität der Elektroorganisation ist weniger das Beschäftigungsverhältnis ausschlaggebend als die Frage, ob fachliche Verantwortung dauerhaft, nachvollziehbar und mit den notwendigen Befugnissen geregelt ist.
Welche Vorschriften und Normen sind für die VEFK wichtig?
Die verantwortliche Elektrofachkraft ist nicht in einem einzelnen „VEFK-Gesetz“ geregelt. Ihre Rolle ergibt sich aus dem Zusammenspiel von Arbeitsschutzrecht, Unfallverhütungsvorschriften und elektrotechnischen Normen.
Zu den wesentlichen Grundlagen zählen:
- das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG),
- die Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV),
- die DGUV Vorschrift 1,
- die DGUV Vorschrift 3 beziehungsweise 4,
- die DIN VDE 1000-10,
- die DIN VDE 0105-100 sowie
- die TRBS 1203.
Für die organisatorische Einordnung der verantwortlichen Elektrofachkraft hat die DIN VDE 1000-10 besondere Bedeutung. Andere Regelwerke behandeln beispielsweise den sicheren Betrieb elektrischer Anlagen, Prüfungen oder Anforderungen an entsprechend qualifizierte Personen.
Deshalb ist eine VEFK auch nicht automatisch Anlagenverantwortlicher, Arbeitsverantwortlicher oder zur Prüfung befähigte Person. Eine Person kann bei entsprechender Qualifikation mehrere Funktionen übernehmen, organisatorisch bleiben die Rollen dennoch voneinander zu unterscheiden.
Häufige Fragen zur VEFK
Fazit: Gute Elektroorganisation braucht mehr als eine Bestellung
Die verantwortliche Elektrofachkraft spielt eine wichtige Rolle für die elektrische Sicherheit eines Unternehmens. Im Alltag geht es dabei vor allem um eine funktionierende Organisation des elektrotechnischen Bereichs.
Sind Verantwortlichkeiten eindeutig geregelt? Passen die Qualifikationen zu den ausgeführten Tätigkeiten? Funktionieren Prüfungen und Unterweisungen? Werden festgestellte Mängel tatsächlich bearbeitet? Und verfügt die verantwortliche Person über die Befugnisse, die sie für ihre Aufgabe benötigt?
An diesen Punkten zeigt sich, ob eine VEFK-Organisation auch praktisch funktioniert.
Ob die Funktion intern oder durch eine externe VEFK wahrgenommen wird, hängt von den vorhandenen Strukturen, Fachkenntnissen und Ressourcen ab. In beiden Fällen müssen Aufgaben, Verantwortung, Befugnisse und tatsächliche Einflussmöglichkeiten zueinander passen.
Elektrotechnische Verantwortung klar organisieren
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Wo die erforderliche Fach- und Organisationskompetenz intern nicht vorhanden ist oder externe Unterstützung gewünscht wird, übernehmen unsere Experten auch die Funktion der externen verantwortlichen Elektrofachkraft.
Welche Form der Betreuung sinnvoll ist, richtet sich nach der vorhandenen Elektroorganisation, den Standorten, der Anlagenstruktur und dem konkreten Verantwortungsumfang.
